The Awful German Language

21. April 2010

My philological studies have satisfied me that a gifted person ought to learn English (barring spelling and pronouncing) in thirty hours, French in thirty days, and German in thirty years. It seems manifest, then, that the latter tongue ought to be trimmed down and repaired. If it is to remain as it is, it ought to be gently and reverently set aside among the dead languages, for only the dead have time to learn it.

Wahrscheinlich der beste Text über das Lernen einer Fremdsprache, von Mark Twain, der heute vor 100 Jahren gestorben ist.

The Awful German Language

Und hier als Hörbuch downloadbar (3 Teile, *.mp3).

Der Tod ist ein Meister aus Deutschland

20. April 2010

Paul Celan – Todesfuge

Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne er pfeift seine Rüden herbei
er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde
er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
Dein aschenes Haar Sulamith wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng

Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr andern singet und spielt
er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau
stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr andern spielt weiter zum Tanz auf

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags und morgens wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith er spielt mit den Schlangen
Er ruft spielt süßer den Tod der Tod ist ein Meister aus Deutschland
er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft
dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschland
wir trinken dich abends und morgens wir trinken und trinken
der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau
er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft
er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus Deutschland

dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith

Paul Celan suchte den Freitod – wahrscheinlich heute vor 40 Jahren, am 20. April 1970.

Mehr zur Todesfuge …

Etwas ganz Großes

7. April 2010

“Wir sind gekommen um dir einen Herzlichen Glückwunsch zum Donnerstag zu wünschen”, sagte Pu, als er ein- bis zweimal gekommen und wieder gegangen war, um sicherzugehen, dass er auch wieder hinauskonnte.

“Warum, was soll denn am Donnerstag passieren?”, fragte Kaninchen, und als Pu es erklärt hatte und als Kaninchen, dessen Leben aus wichtigen Dingen bestand, gesagt hatte: “Ach, ich dachte, ihr hättet einen echten Grund gehabt”, nahmen sie ein wenig Platz … Und irgendwann gingen Pu und Ferkel weiter. Diesmal hatten sie den Wind im Rücken und brauchten nicht zu schreien.

“Kaninchen ist schlau”, sagte Pu nachdenklich.
“Ja”, sagte Ferkel, “Kaninchen ist schlau.”
“Und es hat Verstand.”
“Ja”, sagte Ferkel. “Kaninchen hat Verstand.”
Es entstand eine lange Stille.
“Ich glaube”, sagte Pu, deshalb versteht es auch nie was.”

Pu und Ferkel, Hamburg 2006

A. A. Milne, Pu der Bär. Pu baut ein Haus, Illustriert von E. H. Shepard, Hamburg 2006, 272f

Geschrieben, weil morgen Donnerstag ist.

Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen

7. April 2010

Das Video firmiert bei YouTube unter dem Titel “The Reincarnation Of Florence Foster Jenkins“.

Ob die stimmliche Leistung als Beleidigung für Florence betrachtet werden darf, sei dahingestellt, in jedem Fall wäre es die beste Kostümierung, die Florence jemals hatte ;)

Unbedingt bis zum Ende anhören!

Gefunden bei Regina Hopfgartner auf Facebook

Osterspaziergang

5. April 2010

Johann Wolfgang von Goethe; Will Quadflieg und Eduard Marks, Deutsches Schauspielhaus Hamburg, 1960

Entwegt

4. April 2010

Ich ging an meinem Leben vorbei, und es gefiel mir.

Lazarus Trost, Schriftzüge, Dresden 1893, 70

Zitiert aus dem wunderbaren Buch “Die Eselin Bileams und Kohelets Hund” von Elazar Benyoëtz, München 2007.

Der 1937 in Wiener Neustadt geborene und heute in Jerusalem lebende Dichter schenkte sich und uns dieses Buch zu seinem 70. Geburtstag.
Eine Rezensionsnotiz finden Sie bei perlentaucher.de.

Im November 2009 besuchte Elazar Benyoëtz seine Geburtsstadt, Ausschnitte aus seiner Lesung in Wiener Neustadt in der ORF TVthek.

Der Fremde

23. März 2010

Ich fahre ein Auto mit dem amtlichen Kennzeichen WN (Wiener Neustadt) xxx.xx. Ich arbeite (und wohne auch z.T.) in Eisenstadt. Das amtliche Kennzeichen für ein in Eisenstadt zugelassenes Auto ist E.

Ich besitze 2 große Hunde, nämlich Doggen.

Ich fahre, oder besser fuhr, mit den beiden Pelzigen oft in den nächsten, Eisenstadt eingemeindeten Ort, wo wir eine schöne Runde entlang der Felder gehen können/konnten.

Ich bekam gestern per RSB-Brief eine Anzeige (datiert mit 16. 03.) zugestellt. Der gelbe Zettel trug den Postvermerk “Leinenzwangsverordnung”. Auch das Schreiben hat den Betreff “Verstoß gegen die Leinenzwangverordnung”.

Aus dem Inhalt:

Es wurde gegen Sie Anzeige erstattet. Letztes Wochenende, am Samstag, den 13. 03. 2010, gegen 9 Uhr vormittags, wurde vom Anzeiger beobachtet wie 2 große nicht angeleinte schwarze Hunde beim … in Eisenstadt/Kleinhöflein Rehen nachjagten. Die beiden Hunde waren laut Anzeiger zwei PKW‘s eindeutig zuzuordnen. Bei einem davon handelte es sich um den auf Sie zugelassenen PKW mit dem polizeilichen Kennzeichen WN xxx.xx.

Gleich vorweg: Es wurde keine Geldstrafe verhängt, sondern nur auf die bestehende Leinenzwangverordnung hingewiesen. Danke ans Magistrat :-)

Aber (und dieses bezieht sich ausschließlich auf den oder die Anzeiger):

Wir sind mit den Hunden seit dem 22. Februar 2010 kein einziges Mal auch nur in der Nähe des in der Anzeige beschriebenen Ortes spazieren gegangen, auch nicht am 13. März.

Am 13. März 2010 waren weder ich noch mein Auto in Eisenstadt oder auch nur in der Nähe von Eisenstadt. Dies lässt sich auch einfach, hinlänglich und klar beweisen! Definitiv niemand konnte mein Auto also an diesem Tag in Eisenstadt und Umgebung gesehen haben. Die Hunde gingen mit Frauchen wo anders spazieren (die übrigens ein Auto mit einem Eisenstädter Kennzeichen fährt).

Ich bestreite nicht, dass beide Hunde einmal Rehen nachliefen. Freilich ohne auch nur den Hauch einer Chance sie zu erwischen. Und auch nicht lange, nach dem 5. oder 6. Pfiff kehrten sie um, spät, aber immerhin. Aber tatsächlich nur ein einziges Mal (wenn auch einmal zu viel) und nicht am 13. 03. 2010, sondern Mitte Februar. Und dieses eine Mal waren sie mit Frauchen unterwegs, ich war gar nicht dabei (wäre mir aber genauso passiert). Nur, darum geht’s gar nicht (abgesehen davon, dass so etwas nicht passieren darf und uns selbst am meisten ärgert).

Ich weiß also nicht, was der oder die Anzeiger beobachtet und “eindeutig zugeordnet” hat/haben. Mein Auto, ich oder meine Hunde können es jedenfalls nicht gewesen sein.

Ich weiß auch nicht, wann der oder die Anzeiger (offenbar vorsorglich) meine Autonummer notiert hat/haben, jedenfalls sicher nicht am 13. 03.

Ich weiß aber, warum mir zwei Geschichten einfallen, die ich schon fast vergessen hätte:

Vor einigen Monaten luden wir in meiner Arbeitsstelle (in Eisenstadt) mein Auto, einen Van, voll mit Papier, das ich zum nächsten Papiercontainer brachte. Dort wurde ich von einer Dame angepöbelt, die echauffiert darauf hinwies, dass sie es nicht einsehen könne, warum ich von Wiener Neustadt nach Eisenstadt fahre, “meinen Müll” abzuladen!

Kurze Zeit darauf parkte ich mit meinem Auto am als Kundenparkplatz ausgewiesenen Parkplatz des örtlichen Postamts (in Eisenstadt), da ich einen Postweg zu erledigen hatte. Eine Autofahrerin, die sich neben mir einparkte, wies mich sehr unfreundlich darauf hin, dass hier Parken für “Fremde” (sic!) nicht erlaubt sei. Die Dame fuhr ein Auto mit dem amtlichen Kennzeichen EU (Eisenstadt-Umgebung).

bericht über den frühling

22. März 2010

ein tag wie seide -

der frühling schickt
seine falter
voraus

die krähen
sind fortgezogen

das lachen
des nachbarn
widerlegt
alle zäune

Albert Janetschek, 1925-1997; aus: Fingerzeige. Gedichte, 1981, 10

Parabase

22. März 2010

Freudig war vor vielen Jahren
Eifrig so der Geist bestrebt,
Zu erforschen, zu erfahren,
Wie Natur im Schaffen lebt.
Und es ist das ewig Eine,
Das sich vielfach offenbart.
Klein das Große, groß das Kleine,
Alles nach der eignen Art.
Immer wechselnd, fest sich haltend,
Nah und fern und fern und nah;
So gestaltend, umgestaltend -
Zum Erstaunen bin ich da

Johann Wolfgang Goethe, gestorben heute vor 178 Jahren in Weimar;
zum Beitrag inspiriert von @diesanne; danke!

Enttäuschung

12. März 2010

Es war einmal ein Prinz, der wurde, ohne dass er etwas Böses getan hätte, von einer Hexe mit einem Zauberbann belegt. Wegen dieses Zaubers konnte er nur ein Wort pro Jahr sprechen. Allerdings konnte er die Worte aufsparen, wenn er also in einem Jahr überhaupt nicht sprach, durfte er im folgenden Jahr zwei Worte sagen.

Eines Tages begegnete ihm eine schöne Prinzessin, und sofort verliebte er sich unsterblich in sie. Er nahm sich vor, zwei Jahre lang nicht zu sprechen, damit er sie dann “Mein Liebling” nennen konnte.

Als die zwei Jahre vorüber waren, besann er sich jedoch anders. Er wollte seiner Angebeteten auch sagen, dass er sie liebe. Also wartete er weitere drei Jahre. Am Ende der fünf schweigend verbrachten Jahre wurde ihm klar, dass er sie auch um ihre Hand bitten musste. Dafür waren weitere vier Jahre Schweigen erforderlich.

Als schließlich neun lange Jahre des Schweigens vorüber waren, wusste er sich vor Vorfreude kaum zu halten. Er führte die Prinzessin in einen besonders romantischen Winkel des Schlossgartens, kniete vor ihr nieder und sprach sie mit folgenden Worten an:

“Mein Liebling, ich liebe dich. Willst du mich heiraten?”

Die Prinzessin erwiderte nur: “Wie bitte?”

“Genau so eine Antwort hätte Schopenhauer erwartet”, meinen die Autoren:
Thomas Cathcart, Daniel Klein, Platon und Schnabeltier gehen in eine Bar, München 2007, 138

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