Archiv für Juli 2010

Coolness ist relativ

19. Juli 2010

Am Freitag habe ich mir ein neues Fahrrad gekauft. Zugegeben, der Satz klingt entscheidungsfreudiger, als es der Prozess, der dann schlussendlich zur Kaufentscheidung führte, war. Aber dazu vielleicht einmal ein eigener Beitrag.
Und nein, mit sportlichen Ambitionen hat der Kauf auch wenig zu tun, angesagt sind bloß etwas mehr Bewegung und Abnehmen …

Und so sattelte ich heute Vormittag mein neues Rad und nahm mir eine kleine Runde in der Gegend, östlich von Eisenstadt, vor. Rad, Helm, Sonnenbrillen – sah alles ziemlich cool aus, dachte ich zumindest.

Fuhr also los, führte Selbstgespräche, träumte vor mich hin, genoss das Panorama sehr, die Bergaufstrecken weniger, und befand mich nach etwa 45 Minuten plötzlich irgendwo in der Puszta. Keine Beschilderung, keine Menschen, nix. Just in dem Moment, als sich leichte Verzweiflung in mir und beißende Müdigkeit in meinen Oberschenkelmuskeln breit zu machen begannen, tauchten eine ältere Dame und ihr Enkel (meine Interpretation) auf. Beide auf Rädern, beide sorgfältig behelmt, beide ziemlich cool.

Die nette Dame erklärte mir auf meine Frage, wohin denn dieser Weg führt, sehr freundlich, dass dieser nach nirgendwo führt und ich ziemlich viele Kilometer zurückfahren müsse, um wieder auf meine geplante Route zu kommen.

Ich bedankte mich artig, drehte also um und hörte beim Losfahren gerade noch, wie die Dame ihrem Enkel die Situation erklärte:

Schau Basti, der Opa hat sich verfahren und muss jetzt zurückfahren.

I bin der, der was …

15. Juli 2010

Am 12. Juli vor 120 Jahren wurde Anton Kuh geboren.

Anton Kuh, Bildquelle: Cover: Anton Kuh, Zeitgeist im Literatur-Café

Beim Verlassen eines Hotels, in dem man gewohnt, eines Lokals, in dem man geweilt hat, schiebt sich nach der Abfertigung der verschiedenen Personen, die einem Aufmerksamkeiten erwiesen haben und demgemäß honoriert werden wollen, immer ein Unbekannter näher und raunt einem etwas dicht an’s Ohr. Fragt man ihn ungeduldig, was denn los sei, so wiederholt er die Anfangsworte eines Satzes: “I bin der, der was …” (Ergänze: “… das Auto geholt hat”; … “auf das Gepäck während Ihrer Verhandlungen mit dem Portier Acht gegeben hat” usw.) Der, der was – ist der österreichische Zwischenverdiener. Da das Land überwiegend aus Zwischenverdienern besteht, so wundere man sich nicht über ihre Zahl …

Anton Kuh, Zeitgeist im Literatur-Café. Feuilletons, Essays und Publizistik, Wien 1983, 82.

In der Volksschule mussten wir 10 Groschen in eine Klassenkasse zahlen, wenn wir “der, der was … oder die, die was … oder das, das was … ” sagten.

Ich habe meine Volksschullehrerin allerdings unterschätzt, weil ich dachte, sie wollte uns nur richtiges Deutsch beibringen …