Die Favoritin des Papstes

10. Mai 2010

Mit einem Tag Verspätung sei kurz an ein bedeutendes Ereignis vor genau 520 Jahren erinnert ;):

Am 09. Mai 1490 heiratet nämlich Giulia Farnese den “Einäugigen” Orso Orsini. Im Frühjahr 1492 bringt sie eine Tochter, Laura, zur Welt, deren Vater nicht Orsini, sondern Kardinal Rodrigo Borgia war. Am 06. August wird er, 61 Jahre alt, zum Papst gewählt und nennt sich Alexander VI.

Giulia Farnese, Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Giulia_Farnese

Ich ging ins Haus bei Santa Maria in Portico, um Madonna Giulia zu besuchen, die ich antraf, wie sie sich den Kopf wusch, und sie war in Gesellschaft der Madonna Lucrezia (i.e. Lucrezia Borgia, Tochter von Kardinal Rodrigo Borgia und Vannozza Cattanei, Anm.d.V.) und sie saßen beim Feuer. Madonna Giulia, stärker geworden, ist jetzt von besonderer Schönheit. In meiner Anwesenheit öffnete sie sich das Haar und ließ sich Haare und Kopf schmücken und die Haare reichten ihr bis zu den Füßen und schließlich nahm sie eine Haube aus Leinwand und eine Art Netz, zart wie Rauch, mit Gold bestickt, dass es aussah wie eine Sonne.

Lorenzo Pucci, ein Verwandter, beschreibt ihre Körperpflege, in: Massimo Grillandi, Lucrezia Borgia, Düsseldorf 1991, S. 70

Wir wissen nicht, ob Giulia Alexander wirklich geliebt hat oder ob sie aus Berechnung seine Geliebte war, in einem venezianischen Brief lesen wir über sie:

Die Favoritin des Papstes, ein junges Weib von großer Schönheit, von Verstand, Klugheit und Sanftmut.

Ferdinand Gregorovius, Lucrezia Borgia, Stuttgart 1871, Ausgabe München 1982, S. 74

Am 19. August 1503 stirbt Papst Alexander VI., 1505 heiratet Tochter Laura einen Neffen des amtierenden Papstes, Julius II.
Ende 1506 heiratet Giulia noch einmal, und zwar Giovanni Capece Bozzato, den sie vor Jahren bei der Eheschließung des Papstsohnes Jofré Borgia kennen gelernt hatte. In ihrem Haus sind häufig ihre Nichten und Neffen zu Gast, die Kinder ihres Bruders, Kardinal Alexander Farnese.

Giulia Farnese stirbt am 20. März 1524, ihr Bruder Alexander besteigt 1534, 67-jährig, den Papstthron als Paul III. und wird im Pfaffenspiegel (1845) als einer der liederlichsten Päpste bezeichnet.

In zwei Tagen, vor 475 Jahren, am 12. Mai 1535, erhielt der Sohn von Constanza Farnese, Guido Ascanio, den Galero, den großen flachen Kardinalshut, aus den Händen seines päpstlichen Großvaters …

  1. Gerhard Lichtenauer schreibt
    am 10. Mai 2010 um 23:39 Uhr:

    Alexander VI. war zweifellos eine bizarre “Persönlichkeit” an der Spitze einer “interessanten” Institution, mit absoluten Stellvertretungs- und Alleinseligmachungsansprüchen. http://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_VI.

    Nachdem ich die Bibel kennen lernte und von Gott ergriffen wurde, war für mich – der ich in dieser Institution aufwuchs und als Kind und Jugendlicher geprägt wurde – eine zentrale Frage, ob sie die von Jeshua HaMashiach herausgerufene Gemeinschaft (Ekklesia) seiner Nachfolger sein könne. Es war ein langer Kampf, weil es so unglaublich ist, was mir nach und nach immer klarer wurde, je besser ich die Bibel kannte. Die Antwort war dann ganz eindeutig. Noch viel mehr inneren Kampf und Zweifel muss es den Reformatoren gekostet haben, die fast alle vorher Priester dieser Institution waren und keine Alternativen kannten, ihren verkommenen Zustand miterlebten und dann im Wort Gottes Antworten fanden.

    Die näheren Details der Korruptheit und Verderbtheit des Papsttums haben mich eigentlich kaum interessiert. Mir genügte zu sehen, dass hier eine große Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit besteht. Nicht nur im Sinne, wie jeder Mensch der Vergebung bedarf, sondern dass eine nur auf Trug aufgebaute Institution solche Macht erlangen und mit absolut unchristlichem Handeln halten konnte. Es ist eigentlich der größte Betrug aller Zeiten.

    Ich habe mich mit dem so genannten “linken Flügel” der Reformation sehr intensiv auseinandergesetzt, den als “Wiedertäufer” im 16. Jahrhundert sowohl von der römischen Institution als dann auch von den großen Reformatoren geächteten und verfolgten ersten “Freikirchen”. Diese wurden oft wegen der Katastrophe des “Täuferreichs von Münster” undifferenziert beurteilt.

    Gerade in den letzten Monaten habe ich wieder sehr viel über diese höchst interessanten Jahrzehnte ab etwa 1520 von den schweizerischen Täufern bis zum Wirken Menno Simons gelesen. Mich beeindruckt dieses Häuflein entschiedener Gefolgschaft Jesu jener Zeitspanne sehr, die eine radikale Rückkehr zum Ursprung vollzogen und trotz massivster Verfolgung so große Wirkung erzielten. Ich staune auch immer wieder über die lehrmäßigen Erkennnisse jener Zeit, wenn man die Möglichkeiten und das ganze Umfeld berücksichtigt.

    Das Papsttum und den Zustand der römischen Institution zu jener Zeit kann man auch so sehen, dass die Zeit dadurch reif wurde, für eine Reformation, die systembedingt zu einem Schisma führen musste, was letztlich auch zu einer weltlichen Entmachtung der römischen Anmaßung führte, was sowohl weltgeschichtlich als auch geistlich, positiv zu werten ist.

    Direkt antworten

Einen Kommentar zu ›Die Favoritin des Papstes‹ schreiben


Bitte erst nach 20 Sekunden abschicken (Spamschutz)

nach oben

«     »