Enttäuschung

12. März 2010

Es war einmal ein Prinz, der wurde, ohne dass er etwas Böses getan hätte, von einer Hexe mit einem Zauberbann belegt. Wegen dieses Zaubers konnte er nur ein Wort pro Jahr sprechen. Allerdings konnte er die Worte aufsparen, wenn er also in einem Jahr überhaupt nicht sprach, durfte er im folgenden Jahr zwei Worte sagen.

Eines Tages begegnete ihm eine schöne Prinzessin, und sofort verliebte er sich unsterblich in sie. Er nahm sich vor, zwei Jahre lang nicht zu sprechen, damit er sie dann “Mein Liebling” nennen konnte.

Als die zwei Jahre vorüber waren, besann er sich jedoch anders. Er wollte seiner Angebeteten auch sagen, dass er sie liebe. Also wartete er weitere drei Jahre. Am Ende der fünf schweigend verbrachten Jahre wurde ihm klar, dass er sie auch um ihre Hand bitten musste. Dafür waren weitere vier Jahre Schweigen erforderlich.

Als schließlich neun lange Jahre des Schweigens vorüber waren, wusste er sich vor Vorfreude kaum zu halten. Er führte die Prinzessin in einen besonders romantischen Winkel des Schlossgartens, kniete vor ihr nieder und sprach sie mit folgenden Worten an:

“Mein Liebling, ich liebe dich. Willst du mich heiraten?”

Die Prinzessin erwiderte nur: “Wie bitte?”

“Genau so eine Antwort hätte Schopenhauer erwartet”, meinen die Autoren:
Thomas Cathcart, Daniel Klein, Platon und Schnabeltier gehen in eine Bar, München 2007, 138

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