Schopenhauer

22. Februar 2010

Am Morgen des 21. September 1860 bereitete Schopenhauers Haushälterin ihm das Frühstück zu, putzte die Küche, öffnete die Fenster und ließ Schopenhauer, der sich bereits kalt gewaschen hatte und jetzt in seinem Wohnzimmer, einem großen, luftigen, einfach möblierten Raum, auf dem Sofa saß und las, allein …

Kurze Zeit später betrat sein Arzt, der regelmäßig nach ihm schaute, den Raum und fand ihn dort in eine Sofaecke gelehnt vor. Ein Lungenschlag hatte seinem Leben ein schmerzloses Ende beschert. Sein Gesicht war nicht verzerrt und zeigte keine Anzeichen für einen Todeskampf.

Seine Beisetzung an einem Regentag war unangenehmer als die meisten Beerdigungen, was an dem Gestank nach verwesendem Fleisch in der kleinen, geschlossenen Leichenhalle lag. Schopenhauer hatte explizit verfügt, sein Leichnam solle nicht sofort beerdigt, sondern mindestens fünf Tage lang auf dem Friedhof bleiben, bis die Verwesung einsetzte – vielleicht eine letzte Geste der Menschenfeindlichkeit oder aus Angst vor einem Scheintod. Bald war es in der Leichenhalle so stickig und die Luft so schlecht, dass einige der Versammelten den Raum verlassen mussten, während … sein Testamentsvollstrecker, einen langen, schwülstigen Nachruf vortrug …

Schopenhauers Grab wurde mit einem schweren Stein aus belgischem Granit bedeckt. Auf Wunsch des Verstorbenen stand nur sein Name, Arthur Schopenhauer, darauf – “schlechterdings nichts weiter, kein Datum, noch Jahreszahl, gar nichts, keine Sylbe”.

Irvin D. Yalom, Die Schopenhauer-Kur, 426f

Das einzige Buch übrigens bisher, von dem ich nur jedes 2. oder 3. Kapitel, nämlich jene über Schopenhauer, las …

Und noch ein Schmankerl (zum Weinen): eine Literatursendung mit hohem Anspruch (“Schoppenhauer”) (via @tiniaden):

Heute ist Artur Schopenhauers 222. Geburtstag.

  1. artstage schreibt
    am 22. Februar 2010 um 20:25 Uhr:

    danke! danke! danke! nicht nur ein brüller, weil man genau weiss, “das ist keine Satire!”
    da passt dann “shop”en-hauer ganz gut, bezüglich eines Kommentars:
    “…..gar nichts, keine Sylbe”.
    ;-)

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