Archiv für Februar 2010

Tja

23. Februar 2010

Heute Morgen Friseurtermin. Dauert bei mir 3, maximal 4 Minuten, keine Anmeldung, keine Wartezeit, Haarschneidemaschine Stufe 6 und fertig. Alle 4 Wochen, im Sommer alle 3 Wochen, ungefähr 11 Euro.

Friseurin:

Waren Sie auf Bällen im Winter? (War weniger eine grundsätzliche Frage, sondern sie wollte wissen auf welchen ich war)

Ich:

Nein, war ich nicht, auf keinem einzigen …

Friseurin, verwundert und nach kurzer Pause:

Aber Schifahren waren’s schon?

Ich, fast entschuldigend:

Nein, bin das letzte Mal in der Schulzeit gefahren und hab mich dann nicht mehr aufraffen können dazu.

Friseurin, leicht verstört:

Aber das Skifahren im Fernsehen schaun Sie sich schon an jetzt? (Sie meinte die Olypmiade olympischen Spiele)

Ich, zugegeben etwas zögerlich:

Nein, auch nicht, ist an mir bisher irgendwie spurlos vorübergegangen …

Friseurin, sichtlich froh, dass die 3 Minuten um waren:

Sagen’s, was machen Sie eigentlich?

Tja …

Schopenhauer

22. Februar 2010

Am Morgen des 21. September 1860 bereitete Schopenhauers Haushälterin ihm das Frühstück zu, putzte die Küche, öffnete die Fenster und ließ Schopenhauer, der sich bereits kalt gewaschen hatte und jetzt in seinem Wohnzimmer, einem großen, luftigen, einfach möblierten Raum, auf dem Sofa saß und las, allein …

Kurze Zeit später betrat sein Arzt, der regelmäßig nach ihm schaute, den Raum und fand ihn dort in eine Sofaecke gelehnt vor. Ein Lungenschlag hatte seinem Leben ein schmerzloses Ende beschert. Sein Gesicht war nicht verzerrt und zeigte keine Anzeichen für einen Todeskampf.

Seine Beisetzung an einem Regentag war unangenehmer als die meisten Beerdigungen, was an dem Gestank nach verwesendem Fleisch in der kleinen, geschlossenen Leichenhalle lag. Schopenhauer hatte explizit verfügt, sein Leichnam solle nicht sofort beerdigt, sondern mindestens fünf Tage lang auf dem Friedhof bleiben, bis die Verwesung einsetzte – vielleicht eine letzte Geste der Menschenfeindlichkeit oder aus Angst vor einem Scheintod. Bald war es in der Leichenhalle so stickig und die Luft so schlecht, dass einige der Versammelten den Raum verlassen mussten, während … sein Testamentsvollstrecker, einen langen, schwülstigen Nachruf vortrug …

Schopenhauers Grab wurde mit einem schweren Stein aus belgischem Granit bedeckt. Auf Wunsch des Verstorbenen stand nur sein Name, Arthur Schopenhauer, darauf – “schlechterdings nichts weiter, kein Datum, noch Jahreszahl, gar nichts, keine Sylbe”.

Irvin D. Yalom, Die Schopenhauer-Kur, 426f

Das einzige Buch übrigens bisher, von dem ich nur jedes 2. oder 3. Kapitel, nämlich jene über Schopenhauer, las …

Und noch ein Schmankerl (zum Weinen): eine Literatursendung mit hohem Anspruch (“Schoppenhauer”) (via @tiniaden):

Heute ist Artur Schopenhauers 222. Geburtstag.

Fräulein

14. Februar 2010

Gestern trat ein Fräulein an mein Bette
Und behauptete, die Märchenfee zu sein,
Und sie fragte mich, ob ich drei Wünsche hätte,
Und ich sagte, um sie reinzulegen: nein!

Werner Finck
Aus: Finckenschläge, Ausgabe letzter Hand 1988, F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung München; Originaltitel: “Surrealistischer Vierzeiler”.

Erstmals gehört in der Vertonung von Johannes Maximilian Müller (Klavier und Gesang) auf der CD “blau”. Müller, von dem auch der von mir hier verwendete Titel stammt, ändert die letzte Zeile zu “Und ich Koffer sagte, um sie reinzulegen: nein!” ;) Die CD kann ich wärmstens empfehlen!

Freiheit

3. Februar 2010

Notker Wolf, OSB, Abtprimas des Benediktinerordens, über Freiheit.

via Reinhold-Maier-Stiftung, gefunden auf Freie Gedanken, danke Lukas Lehmann!

Sie sind leider selten, die liberalen Denker in der Kirche …