Schönen Abend noch …

2. September 2009

In der Stadt treffe ich häufig die eine oder andere sehr liebe ältere Dame aus der unmittelbaren Nachbarschaft, und wir gehen dann meist ein Stück des Weges gemeinsam zurück nach Hause. So auch heute, als ich vom Arzt kam, weil die Schmerzen von der vorgestern diagnostizierten Gürtelrose trotz Antibiotikakur stärker statt weniger wurden und sich mein Allgemeinzustand verschlechterte statt sich zu bessern.


Also erzählte ich ihr auf ihre Nachfrage nach meinem Befinden von meinen Wehwehchen und nach kurzem Nachenken entstann sie sich, dass ihre Tochter das auch vor einigen Jahren hatte … und dass das vom Stress kommen soll … und sie das aber nicht verstünde, weil ihre Tochter ja nur einen Bürojob hätte.

Ich ahnte was gleich kommen würde – und es kam auch gleich, dass sie nämlich ein Leben lang manuell schwer gearbeitet habe und so etwas nie gehabt hätte und sie überhaupt gerne Job getauscht hätte mit unsereiner …

Natürlich glaube ich nicht, dass die Dame ihre schwere manuelle Arbeit immer freudig verrichtet hat oder gar lustig fand und natürlich weiß ich, dass in wohl sehr viel schwereren Zeiten sie neben dieser Arbeit ihren familiären Pflichten nachkommen musste und natürlich weiß ich auch, dass sich Änliches nicht nur liebe ältere Damen denken und ja, ich wüsste auch viele Antworten.

Ich weiß aber nicht, warum ich recht froh war, als wir knapp vor dem Nachhausekommen andere Nachbarn trafen und ich mich rasch mit einem freundlichen “Schönen Abend noch” von allen verabschieden konnte …

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