Wendelin Wiedeking verlässt Porsche. In dem von ihm herausgegebenen und von mir so geschätzten Buch “Das Davidprinzip” schreibt er auch den einleitenden und gleichnamigen Aufsatz. Darin bemüht er – quasi als Kernaussage – die biblische Geschichte von David und Goliath und reklamiert selbstverständlich die David entgegengebrachten Sympathien auch für sein Unternehmen.
Und David tat seine Hand in die Tasche und nahm einen Stein daraus und schleuderte und traf den Philister (Goliath, sechs Ellen und eine Handbreit hoch) an seine Stirn, dass der Stein in seine Stirn fuhr und er zur Erde fiel auf sein Angesicht. So lautet der 49. Vers im ersten Buch Samuel, Kapitel 17.
Das Publikum, zunächst ungläubig, johlte vor Begeisterung. Von diesem alttestamentarischen Ereignis an gilt in der Menschheitsgeschichte alle Sympathie dem Kleinen, sobald er wider jede Erfahrung gegen den Großen siegt. (Seite 14)
Dann zitiert er aus dem Buch “Die Beschleunigungsfalle oder der Triumph der Schildkörte” von Klaus Backhaus und Holger Bonus:
Jeden Morgen erwacht in Afrika eine Gazelle. Sie weiß, dass sie nur dann den Tag überleben wird, wenn sie die Zeiten beachtet, zu denen sich der Löwe auf Nahrungssuche macht. Und jeden Morgen erwacht in Afrika ein Löwe. Er weiß, dass er nur dann nicht verhungern wird, wenn er die Zeiten beachtet, zu denen die Gazelle ihren Durst am Wasser stillt. Es ist also egal, ob man Löwe oder Gazelle ist: Wenn die Sonne aufgeht, muss man etwas von den Zeiten anderer Lebewesen verstehen und sie beachten. (Seite 14f)
Der Aufsatz schließt mit den Worten:
Wir haben gelernt, wann der Löwe hungrig ist, und werden alles tun, ihm nicht zu verraten, wann wir an die Tränke gehen.
Das macht unseren ganzen Reiz aus, und da wir mit dieser Strategie erfolgreich sind, auch unseren Charme. Dieser David wird die Goliaths besiegen, in dem er sie überlebt. (Seite 24)
Wendelin Wiedeking tut mir nicht leid, er ist gut versorgt. Ein wenig leid tut mir aber doch – ohne jegliche persönliche Sympathie für VW oder Porsche – dass (wieder einmal) Goliath gewonnen hat.
Hat Wendelin Wiedeking am Ende seine Geschichte aus dem zitierten Aufsatz nicht wirklich verstanden? Die Gazelle hat in der Tat reelle Chancen den Tag zu überleben, die Chancen sinken aber erheblich, wenn sie übermütig wird und es darauf anlegt, den Löwen zu fressen …
am 16. Januar 2010 um 23:32 Uhr:
WW wollte sich in erster Linie richtig selber die Taschen voll machen und dies ist ihm auch mit Bravour gelungen. Ich bezweifel sehr, dass WW diesen wagemutigen (größenwahnsinnigen) Schritt der versuchten Übernahme gegangen wäre wenn er nicht nur Manager sondern Miteigentümer gewesen wäre. Es gab für ihn nur Upside in Form eines dicken Bonus wenn es auf Bonus-Intervall-Sicht zumindest zeitweilig so aussah als würde es klappen und es gab keinerlei Downside für ihn wenn es – wie geschehen – richtig in die Hose gehen würde von wegen Clawback-Provision der vorher bezahlten Boni oder gar Haftung mit Privatvermögen à la OHG-Gesellschafter. Aber wie schon zu Anfang geschrieben hat er (spieltheoretisch) alles richtig gemacht und dies angeblich auch in einem Interview gesagt als es um seinen beabsichtigten Abgang bei Porsche ging – sinngemäss “Ich bin sehr entspannt. Ich bin finanziell sehr unabhängig”.
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