Wanderer am Rande der Welt

14. Juli 2009

Seit langem verfolgt mich Gottfried Kumpfs Kunstfigur “Der Asoziale”, oder richtiger: Ich folge ihr.

“Der Asoziale” repräsentiert allerdings eine relativ späte Stufe der Namensgebung für diese Figur. Wenn auch im konkreten Zusammenhang “asozial” als “Einzelgänger neben der Gesellschaft” oder als Gegenteil zum aristotelischen “Zoon politikon” (dem politischen, auf Gemeinschaft gegründeten Lebewesen) gesehen werden will, ist das Wort trotzdem sowohl historisch als auch politisch einschlägig konnotiert.


Umso interessanter scheint mir die Geschichte der Namensgebung für diese Kunstfigur. Hieß sie nämlich
ursprünglich noch nicht “Der Asoziale”, sondern hatte verschiedene Namen, von denen einer besonders auffällig und faszinierend ist: “Wanderer am Rande der Welt”. Wohl in Anlehnung an den berühmten Holzstich im Buch “L’Atmosphère. Météorologie populaire” (1888) des Astronomen, Ballonfahrers und Erfolgsautors Camille Flammarion?

Flammarion selbst hatte wohl den Holzstich in Auftrag gegeben und versieht ihn mit einer ausführlichen, höchst ironischen Bildunterschrift. Darin heißt es:

… Ein Missionar des Mittelalters erzählt uns gar, er habe auf einer seiner Wanderungen auf der Suche nach dem irdischen Paradies den Horizont erreicht, wo sich Erde und Himmel träfen, und er entdeckte angeblich den bestimmten Punkt, wo sie sich nicht berührten und wo er gebeugt unter dem Himmelsdach hindurchkam …

  • Flammarions Holzstich, Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Flammarions_Holzstich
  • Armbanduhr mit dem Motiv 'Der Asoziale' von Kumpf


Nur schwer vermag ich mich der Magie des Bildes und der Illusion der Geschichte dahinter zu entziehen und oute hiermit die kleine Kunstfigur – losgelöst von der Kunst Kumpfs, die ich selbstredend ausgesprochen gerne mag – als meine ganz persönliche Kultfigur ;-) .

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