Mit einem Tag Verspätung sei kurz an ein bedeutendes Ereignis vor genau 520 Jahren erinnert ;):
Am 09. Mai 1490 heiratet nämlich Giulia Farnese den “Einäugigen” Orso Orsini. Im Frühjahr 1492 bringt sie eine Tochter, Laura, zur Welt, deren Vater nicht Orsini, sondern Kardinal Rodrigo Borgia war. Am 06. August wird er, 61 Jahre alt, zum Papst gewählt und nennt sich Alexander VI.

Ich ging ins Haus bei Santa Maria in Portico, um Madonna Giulia zu besuchen, die ich antraf, wie sie sich den Kopf wusch, und sie war in Gesellschaft der Madonna Lucrezia (i.e. Lucrezia Borgia, Tochter von Kardinal Rodrigo Borgia und Vannozza Cattanei, Anm.d.V.) und sie saßen beim Feuer. Madonna Giulia, stärker geworden, ist jetzt von besonderer Schönheit. In meiner Anwesenheit öffnete sie sich das Haar und ließ sich Haare und Kopf schmücken und die Haare reichten ihr bis zu den Füßen und schließlich nahm sie eine Haube aus Leinwand und eine Art Netz, zart wie Rauch, mit Gold bestickt, dass es aussah wie eine Sonne.
Lorenzo Pucci, ein Verwandter, beschreibt ihre Körperpflege, in: Massimo Grillandi, Lucrezia Borgia, Düsseldorf 1991, S. 70
Wir wissen nicht, ob Giulia Alexander wirklich geliebt hat oder ob sie aus Berechnung seine Geliebte war, in einem venezianischen Brief lesen wir über sie:
Die Favoritin des Papstes, ein junges Weib von großer Schönheit, von Verstand, Klugheit und Sanftmut.
Ferdinand Gregorovius, Lucrezia Borgia, Stuttgart 1871, Ausgabe München 1982, S. 74
Am 19. August 1503 stirbt Papst Alexander VI., 1505 heiratet Tochter Laura einen Neffen des amtierenden Papstes, Julius II.
Ende 1506 heiratet Giulia noch einmal, und zwar Giovanni Capece Bozzato, den sie vor Jahren bei der Eheschließung des Papstsohnes Jofré Borgia kennen gelernt hatte. In ihrem Haus sind häufig ihre Nichten und Neffen zu Gast, die Kinder ihres Bruders, Kardinal Alexander Farnese.
Giulia Farnese stirbt am 20. März 1524, ihr Bruder Alexander besteigt 1534, 67-jährig, den Papstthron als Paul III. und wird im Pfaffenspiegel (1845) als einer der liederlichsten Päpste bezeichnet.
In zwei Tagen, vor 475 Jahren, am 12. Mai 1535, erhielt der Sohn von Constanza Farnese, Guido Ascanio, den Galero, den großen flachen Kardinalshut, aus den Händen seines päpstlichen Großvaters …